Raising Resilient Kids.

Liebe Eltern,
seien Sie tapfer. Sie dürfen, nein Sie sollten sich fortan vornehmlich um ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung kümmern, wenn Sie starke und glückliche Kinder möchten. Denn resiliente Eltern haben resiliente Kinder. Und vice versa.

Im Zweifel siegt die Biologie: Eltern möchten ihre Kinder, und damit ihre Gene chancenreich wissen. Um dieses Ziel zu erreichen haben wir heute beste Bedingungen, Keine Hungersnot, kein Krieg (zumindest nicht in Westeuropa…), keine Seuchen (dito); dennoch steht es nicht gut um den Nachwuchs:

Die Mehrzahl der Schulkinder gibt an, gestresst zu sein, rund 20% sind psychisch auffällig, jedes 4. Kind klagt über psychosomatische Beschwerden.

Weshalb Eltern nicht nur hierzulande ein neues Ziel haben: Die Resilienz, die innere oder psychische Widerstandsfähigkeit des Kindes soll gestärkt werden, koste es, was es wolle. Nach ADH und ADHS, Unterricht in Mandarin und Geige nun ein neuer Kraftakt, das eigene Kind, Träger meiner Gene in die Pole-Position zu bringen.

Richtig ist: Resiliente Kinder sind stabiler, psychisch und physisch gesünder, sozial kompetenter, besser in der Schule, ausgeglichener - und da sie gut mit Veränderungen umgehen können, haben sie später bessere Chancen privat und beruflich erfolgreich zu sein, ein gutes Leben zu führen. Und: sie sind unbequem, neugierig, risikofreudig und unangepasst. Zum Glück.

Liebe Eltern. Wenn Sie sich einen Moment bitte setzen würden. Es gibt da nämlich einen Sachverhalt, der gerne übersehen wird:

Resiliente Eltern haben resiliente Kinder. Was auch im Umkehrschluss gilt.

In der Praxis bedeutet das: Widerstehen Sie der Versuchung, die Arbeit an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zurückzustellen, vermeintlich zugunsten des Kindes. Ihr Kind lernt von Ihrem Handeln, nicht aus Ihren Worten. Vorbilder sind gefragt!

Analog verhält es sich in der Beziehung Führungsverantwortlicher -Mitarbeiter. Selbstführung geht vor Fremdführung. Die Empirie wird hier gestützt durch nahezu täglich neue Erkenntnisse der Hirnforschung.

12 Anregungen für resilientere Kinder.

Sinnvoll ab ca. 3 Jahren.

1. Vertrauen Sie Ihrem Kind.

Sie können ihm kein grösseres Geschenk machen. Sei es die Wahl seiner Freunde, seiner Interessen, aber auch, je nach Alter in familiären Angelegenheiten wir der Code zur Alarmanalage oder die Vollmacht zu (Ihrem!) Konto. In dem Maße, wie Sie Ihrem Kind vertrauen lernt es, sich selbst zu vertrauen und so die Basis für zukünftige Entscheidungen und Handlungen zu bauen.

2. Schützen Sie die Selbstachtung Ihres Zöglings.

Sie ersparen ihm damit eine spätere kostspielige Therapie, in der das Selbstwertgefühl wieder aufgebaut wird. Und auf dem Weg dahin energiezehrende Selbstzweifel.
Loben Sie ihr Kind für seine Leistungen, ermuntern Sie es und bestärken Sie seinen natürlichen Glauben, sich Stärken anzueignen, so vermitteln Sie eine Haltung des Wachstums (growth mindset) „Super! Eine Zwei in Mathe, da hast Du sicher eine Menge dafür gelernt!“. Lob und Kritik auf seine Person bezogen wie zB „ Eine Zwei in Mathe - Du bist ja ein echter Wunderknabe!“ vermitteln das Gefühl, an seinen Stärken nichts ändern zu können (Fixed mindset), im negativen Fall irritieren und verletzen sie.

3. Verlieren Sie ihre eigenen Träume, Wünsche, Ziele nicht aus den Augen.

Ihr Kind lernt so, daß das (Lebens-) Glück in der eigenen Verantwortung liegt. Wer zuhause regelmäßig jammert über Arbeit, Gesellschaft & Co. ohne etwas zu verändern zeigt sich seinem Kind in Opferhaltung und wird damit zum negativen Vorbild.

4. Handeln hat Konsequenzen.

Ihr Kind möchte keine Hausaufgaben machen? Im Winter Sandalen anziehen? Klären Sie es altersgerecht über mögliche Folgen auf und lassen Sie es dann die Konsequenzen seines Handelns selber tragen. Wer sein Zimmer nicht aufräumt, hat eben keinen Platz zum Spielen, das versteht schon ein Dreijähriger. Und wer sich nicht rechtzeitig um einen Ferienjob kümmert kein Taschengeld für Unternehmungen. Das braucht vor allem eines: Ihre Standfestigkeit, auch dem Umfeld gegenüber. Ihr Kind lernt auf diese Weise seine Grenzen, Stärken und Schwächen kennen und Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Nehmen Sie ihm nicht diese wichtige Chance, weil Sie selbst gut dastehen wollen vor ihrem Umfeld, oder ungeduldig und gestresst sind.

5. Techniken zur Selbstregulation lernen.

Das können schon die Kleinsten mithilfe einfacher Atem- und Achtsamkeitsübungen. So lernen sie, ihre Gedanken und Emotionen zu beruhigen anstatt diesen ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Für Sie, als Mama und Papa eine gute Gelegenheit, Vorbild zu sein. Üben Sie gemeinsam! Übrigens: Langeweile ist gesund. Lassen Sie Leerlauf zu, wann immer möglich: Das Warten im Restaurant (kein Tablet!), im Auto, an einem verregneten Nachmittag.

6. Gesellschaftliche Konformität tötet Resilienz.

Unterstützen Sie wann immer möglich ihr Kind dabei, seinen eigenen Interessen und Vorstellungen nachzugehen, auch, wenn es sich - und Sie- dabei scheinbar zum Aussenseiter macht, zB bezüglich Kleidung, Freizeitaktivitäten, Ansichten. Anders kann ihr Kind sich selbst nicht kennenlernen. Experten sind sich einig: Der heutige Schulstoff wird in wenigen Jahren überholt sein - die Persönlichkeit ihres Kindes ist sein Kapital.

7. Lange Leine und Rückhalt statt Daunen.

Selbstverständlich: Sie sind für ihr Kind da- bedingungslos. Das heisst nicht, dass Sie ständig an seiner Seite sein müssen. Ihr Kind ist ihr Kind, nicht ihr Freund und kein Ersatz für Ihre Freunde. Studien zeigen: Wer früh ein Maß Ungemach, Entbehrungen und Risiken erlebt kann später mit Belastungen besser umgehen und ist erfolgreicher.

8."Wer zusammen isst, bleibt zusammen."

Die schöne Tradition des gemeinsamen Abendbrotes wird nicht selten zum Drama. Cave! Hüten Sie sich vor Nachfragen zu Schule & Co. Das ist, mit Verlaub, ungehörig. Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie abends, nach getanem Werk nochmal in s Verhör genommen würden von Ihrem Chef ? Schulangelegenheiten haben am Esstisch nichts zu suchen, das ist eine Frage der Familienkultur. Auch ihr Kind darf lernen, abzuschalten.

9. Üben Sie Flexibilität.

Das geht auch in einem regelmäßigen Tagesablauf. Ihr Kind lernt so, seine Komfortzone zu erweitern. Bereiten Sie das Abendbrot mal auf dem Fussboden vor - oder im Stadtpark. Laden Sie spontan die Nachbarn ein. Erkunden Sie Neues am Wochenende. Nehmen Sie unbekannte Wege....

10. Stress ist kein Feind.

Keine Dämonisierung des Stresses, Sie bringen Ihr Kind so in eine Opferrolle. Statistisch leben nicht die Menschen am längsten, die wenig Stress haben, sondern die, die viel Stress haben und lernen, damit umzugehen.

11. Wenn das Unerwartete passiert.

Unfall, Scheidung, Krankheit - Gemeisterte Krisen und kritische Ereignisse stärken die Resilienz: Schulen Sie ihr Kind (und sich selbst!) in psychischer erster Hilfe (Psychological 1st Aid) analog zur ersten Hilfe am Unfallort.

12. Intelligenter Hedonismus.

Zeigen Sie ihrem Kind, wie es sich selbst einen Gefallen tun kann, indem es andere unterstützt. Ich habe einen schlechten Tag? Ok, was kann ich grade jetzt für andere tun?

Ich wünsche Ihnen eine entspannte Haltung in der Begleitung Ihres Kindes, Ihre Liebe und ihr Rückhalt sind das Wichtigste und geben ihm Kraft, Orientierung und Trost in den Stürmen des Lebens.

Und vergessen Sie die Freue miteinander nicht!

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