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...and the winner is: The circlebreaker.

Transgenerationales Trauma oder: Schmerzen? Geb ich weiter!


Trauma lässt sich nicht auflösen, sowenig wie das Erlebte selbst. Anders als ein interpersoneller Konflikt, in dem Moment, wenn die dicke Luft zwischen Partnern oder Parteien verweht. Im besten aller Fälle.


Trauma steht griechisch für Wunde. Wunden können heilen. Vorangegangen ist dann eine Immunreaktionen, bei körperlichen wie auch bei seelischen Verletzungen. Mit oder ohne - sichtbare - Narbe, ist das System nicht mehr dasselbe, es hat gelernt.

Im besten aller Fälle.



Der Prozess Verwundung -> Lernen -> Heilung

verläuft häufig unbemerkt, das heisst unbemerkt von unserem Tages-Bewusstsein, was es uns ermöglicht, unserem Leben nachzugehen ohne allzuviel Energie auf Heilungsprozesse zu richten. Doch nicht jede Verletzung heilt „undercover“. Fehlende Hinwendung in Form von Aufmerksamkeit und angemessenem Handeln führt dann zu einer Fehlstellung. Im Wortsinne zu beobachten im körperlichen Bereich: die nicht behandelte Schulterverletzung kann über die Zeit schmerzlich die gesamte Haltung verschieben. Auch seelische (synonym mental, psychisch lt. WHO ) Verletzungen wollen angemessen versorgt werden, um zu heilen.



" Ich komm´ schon klar!"

heisst es gern, wenn wir uns der Wundversorgung in Form einer Auseinandersetzung mit dem Vorgefallenen nicht stellen. Vermeintliche coping Mechanismen führen dann nicht selten zu einem Leben in stabiler Seitenlage. Es wird nicht schlimmer, besser auch nicht, während sich ringsum sogenannte Folgeschäden einstellen: beruflich, sozial, familiär - und eben auch gesundheitlich. Von transgenerationalem Trauma sprechen wir, wenn Erfahrungen auf Ebene der Epigenetik weitergegeben werden. Dazu zwei Beispiele.



Beispiel 1


Einem Vater mit Verlusterfahrungen in der eigenen Biografie fällt es nachvollziehbar schwer, seine Kinder auf große Reisen gehen zu lassen (nein, ich rede hier nicht von mir, Beweise angetreten ;).


Sehen wir uns drei mögliche Verlaufsvarianten an:

A - Er verbietet seinen Kindern die Reisen ohne oder ohne ehrliche Begründung (zB mit Hinweis auf die Sicherheitslage im Ausland)


B - Er verbietet seinen Kindern die Reisen mit Hinweis auf ihre eigenen Ängste.


C - Er lässt die Kinder reisen und stellt sich seiner Angst.


Den Konflikt kann jeder nachvollziehen, der Kinder hat oder betreut. Väter und Mütter wollen ihre Kinder beschützen ( meistens ;-). Doch mit A und B nimmt der Vater die Kinder in Geiselhaft seiner eigenen Ängste.

C ist der schmerzlichste Weg, eröffnet jedoch die Chance auf ein freieres Leben der Kinder, denn sie müssen nicht das Trauma in Form der Ängste ihrer Elterngeneration übernehmen.



Beispiel 2

Als Chefin fällt es ihr schwer, zu delegieren, sie weiss, Kontrolle tut weder dem Team noch dem Ergebnis gut, und dennoch kommt sie nicht an gegen den Drang, alles über ihren Tisch gehen zu lassen.

Wie könnte die Geschichte weitergehen?


A - Sie lässt ihren Kontrollwünschen freien Lauf

B - Sie maskiert ihr Bedürfnis nach Kontrolle hinter verschiedenen Argumenten und Szenarien.

C - Sie verpflichtet sich selbst zur Kontroll-Abstinenz und stellt sich ihrer Angst (der vor Kontrollverlust).


Mit A und B wird die Chefin eher über kurz als lang gute Mitarbeiter verlieren - Image, Marktposition und Ergebnis folgen.

C tut weh. Ist jedoch alternativlos, zumal ein kontrollierendes Verhalten selten an der Bürotür stoppt. Irgendwann macht auch die Familie nicht mehr mit. Wenn sie es alleine nicht schafft, sich ihrem Kontrollbedürfnis zu stellen, holt sie sich Hilfe.



Learnings

> Wer seine eigenen Emotionen nicht regulieren kann, kontrolliert unweigerlich das Verhalten der anderen.

> Wer ein Trauma erlebt hat, dessen Folgen anhalten (FYI nicht jeder Mensch, der ein Trauma erlebt ist traumatisiert.) trifft bewusst oder unbewusst eine Entscheidung, die das Leben der Menschen in seinem Umfeld prägt: Stelle ich mich oder gebe ich den Stab weiter an die nächste Generation?



And the winner is: The circlebreaker. Kudos!



 
Corinna Cremer, Dozentin und Vordenkerin für Krisengesundheit
"Krisen sind besser als ihr Ruf und Vorbereitung lohnt sich. Weil wir Ausnahmesituationen selten verhindern können, anders als ihre Folgen. Erfahrungen, Erlebnisse und Gedanken aus 3 Jahrzehnten in der Begleitung von Mensch und Unternehmen in Herausforderungen teile ich in der Kolumne gerührt & geschüttelt." www.corinnacremer.com

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