Best place to work?

Warum Stressmanagement nicht funktionieren kann.


Um gute Entscheidungen im Umgang mit Belastungen treffen zu können, ist die saubere Trennung zwischen Stress und Stressor essentiell.



Noch zwei Stunden bis zum Meeting, der Entwurf für Ihren Beitrag sitzt noch nicht, die Uhr tickt. Währenddessen findet im Nachbarraum eine lebhafte Fête statt. Ihr Kaffeebecher wackelt. Sie spüren, wie die Anspannung kommt und die Ideen gehen - ihre gute Laune im Gepäck.



Facts - Options- Risks.

Was tun Sie?


Die Fakten:

In nunmehr 1h 58 Minuten soll Ihr Beitrag stehen. Die Umgebung ist zum konzentrierten Arbeiten nicht geeignet (zu laut)


Die Optionen:

a) aushalten, weitermachen

b) hinschmeissen

c) in den Nachbarraum gehen, um Geräuschreduzierung bitten

d) die äußeren Reize ausblenden, zB. in einer kurzen Atem- Meditation.


Die Risiken:

zu a)

Hier machen Sie die Rechnung ohne den Wirt: Ihr Gehirn prozessiert Lärm und Vibrationen als Bedrohung - Alarm!. Primäre Aufgabe ist es jetzt, Sicherheit zu schaffen. Höhere Aufgaben wie Kreativität, Ausdruck fachlicher Kompetenz und emotionale Intelligenz, wie Sie sie für Ihre aktuelle Aufgabe benötigen, stehen zurück.


zu b)

Gesetzt, der Beitrag ist wichtig für Sie, tun Sie sich keinen Gefallen damit, ihr Vorhaben abzubrechen. Und auch Ihr Selbstwert leidet ( = eine wichtige Ressource weniger im Umgang mit Belastungen)


zu c)

Gelingt Ihnen der Schritt, bevor Sie vor Wut und Anspannung platzen und treffen Sie den richtigen Ton, steht es gut um Ihre Fähigkeit zur Selbstregulation? Lassen Sie Ihre Verletzlichkeit zu ( „Ich bin unter Druck und brauche Eure Unterstützung….“) - dann könnte der Weg funktionieren.


zu d)

Die Feuerwehr übt nicht, wenn es brennt - sind Sie bereits geübt, wählen Sie mit dieser Option den Königsweg.



Um gute Entscheidungen im Umgang mit Belastungen treffen zu können, ist die saubere Trennung zwischen Stress und Stressor essentiell.

In unserem Beispiel ist der Lärm der Stressor, die empfundene Anspannung der Stress. Stressmanagement funktioniert damit als Stressor - Management: Ausschalten, bzw. Regulation des Stressauslösenden Faktors.


In vielen Fällen ist es möglich, Einfluss zu nehmen auf den empfundenen Stress - auch, wenn dafür die eigene Komfort - Zone verlassen werden muss. Hier fällt mir ein Beispiel ein, welches ich oft höre - für meinen Geschmack zu oft : "Meine Arbeit „stresst“ mich, ich würde so gerne…..aber das geht nicht, weil….( hier wahlweise: bekomme gutes Gehalt/ hab grade in der Nähe gebaut/ hab ja nur noch 10 Jahre bis zur Rente)." Ähnliche fatale Gedankenspiele finden sich für andere Lebensbereiche.


Was aber, wenn es nicht möglich ist, Stressoren auszuschalten? Wie aktuell in der Pandemie? Oder wenn ich entscheide, mit bestimmten Stressoren zu leben (dem schlechten Wetter in Deutschland, dem Kind in der Trotzphase)

Dann ist es wichtig, sich die Unterscheidung zwischen Stress und Stressor deutlich vor Augen zu führen. Denn: Tue ich das nicht, renne ich mental ständig gegen eine Wand. Was Kraft kostet - und die Lebensfreude lässt Federn.



Fazit:

Stressoren können nicht immer ausgeschaltet werden. Wohl jedoch deren Wirkung auf das individuelle physisches und psychisches System. Voraussetzung: Awareness und übenübenüben….


Stress entsteht immer dann, wenn etwas anders ist, als ich es haben will.

Ihren "Best Place to Work" wie auch Ihren "Best Place to Live" gestalten Sie selbst. Das ist nicht einfach und schon gar nicht bequem (wäre es anders, gäbe es mehr zufriedene Menschen). Wichtig ist: Es ist machbar. Good news!


In diesem Sinne: Happy Reflection :-)




#stressmanagement #stressors