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Fluctuat nec mergitur.

  • 3. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

2015, Paris wird erschüttert von mehreren Terroranschlägen. Dann legt sich die Stille des Schreckens über die Stadt des Lichts und der Liebe. Quer über ihr Herz, den Place de la Republique auf einem Banner, ihr Leitspruch: Fluctuat nec mergitur. Sie schwankt, aber sie sinkt nicht.


Place de la Republique, Paris, 2015
Place de la Republique November 2015












2015, Paris, 10 Jahre.


Stille. Die Große, die Schöne, die Leuchtende schweigt. Quer über den Place de la Republique ein Banner, schwarz. Darauf in übermannsgroßen Lettern der Satz aus dem Pariser Stadtwappen: Fluctuat nec mergitur.


Stadtwappen Paris

Sie schwankt, aber sie sinkt nicht. Touchez. Er lässt mich nicht mehr los, der Satz, der Gedanke dahinter.


Wir reden viel über Resilienz in diesen Zeiten aber verstehen wir diese Eigenschaft wirklich?

Ein Schiff, dass sich den Wellen im Sturm nicht anpasst ist verloren. Bewegt es sich jedoch mit ihnen, rollend, stampfend, wie die Seeleute sagen, gelingt es so dem Steuermann nicht zu kentern in hoher See, so stehen die Chancen gut auf Kurs zu bleiben und den Zielhafen zu erreichen.


Rollen wir die Analogie weiter aus so lässt sich sagen, das Risiko, zu kentern bemisst sich an den Fähigkeiten des Steuermannes und der Konstruktion des Schiffes.

Zwei Variablen im Einfluss des Kapitäns.


So frage ich mich, ob unsere schwächelnde Resilienz auf individueller wie systemischer Ebene begründet sein mag im Widerstand gegen die Vorstellung des Schwankens. Liegt doch die Assoziation einer angeheiterten Person nahe mit Konotationen wie Kontrollverlust, Realitätsverweigerung, Hedonismus, physischer Schwäche, Willenschwäche gar.

Was, wenn wir das Schwanken rehabilitieren als Essenz der Resilienz?

Der Schritt zurück, um das ganze Bild in Augenschein zu nehmen, der Schritt zur Seite, Pause, nicht entscheiden, nicht handeln. Moralisch beidrehen nennt es Henri de Montessier. Der tiefe Atemzug, bevor wir sprechen und die Pause, bevor wir antworten, weil zuhören nicht die Zeit ist in der wir nur darauf warten, wieder sprechen zu dürfen. Was, wenn wir uns die Zeit nehmen uns einzufühlen in verschiedene Positionen bevor wir Entscheidungen treffen, Standbein, Spielbein, Standbein, und der nächste Schritt. Uns Zeit nehmen immer mal wieder bei uns selbst vorbeizuschauen. Bis wir keine Angst mehr haben, zu schwanken, weil wir uns sicher, stabil und ruhig fühlen, in uns selbst und dann, im Folgeschritt mit den Menschen um uns herum.


Im Sturm gibt es zum Tanz mit den Wellen nur eine Alternative: Den Untergang. An den Klippen unter lautem Getöse oder langsam, über das Leck im Rumpf.


The choice is ours.




Corinna Cremer, Dozentin und Vordenkerin für Krisengesundheit.

"Krisen sind besser als ihr Ruf und Vorbereitung lohnt sich - weil wir Ausnahmesituationen selten verhindern können, anders als ihre Folgen." Einige meiner Erlebnisse und Erfahrungen aus 30 Jahren in der Begleitung von Menschen und Organisationen in Herausforderungen teile ich in der Kolumne gerührt & geschüttelt. www.corinnacremer.com

 
 
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