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Haben Sie mich lieb?

Es gilt als typisch weibliches Attribut: People pleasing. Das Bedürfnis gemocht, geschätzt, geliebt zu werden, koste es, was es wolle. Da werden eigene Grenzen eingerannt, im erregten Blindflug die der anderen gleich mit, da wird gelächelt, wo Wut angemessen wäre, geschwiegen, wenn ein deutliches Wort der Sache dienen könnte und Entscheidungen getroffen entlang den oft vermeintlichen Vorstellungen der anderen.


Bitter.


Diese unheilvolle Strategie entwickelt sich gerne zur Gewohnheit.


Irgendwann ist die Persönlichkeit um die unbewusste Kompassnadel herum gewachsen, gleich einem Baum, der ein Hindernis umrankt.


Doch worin wurzelt dieses Verhalten? Ist es angeboren? Und warum gibt es durchaus Menschen, gleich welchen Geschlechts, die wenig geben auf die Meinung anderer?

Als Ursache für den Drang gefallen zu wollen wird, wenig überraschend, gerne die Kindheit herangezogen, Eltern und andere nahe Bezugspersonen, das Schulsystem, sie alle belohnen das liebe, nette Verhalten. Verstärkung durch Belohnung. So funktionieren die meisten Wesen, auch der Mensch.

Doch was, wenn es noch eine andere Erklärung gibt, eine hilfreiche, die zur Veränderung ermächtigt?


Tend & befriend, das 4. Stressmuster (neben Fight, Flight, Freeze) wurde erst 2011 von Harvard dokumentiert. Eine Reaktion auf Stressoren, die nahezu ausschliesslich bei Frauen auszumachen ist.

Versetzen wir uns für einen Augenblick in die Frühzeit, als sich die Struktur unseres Gehirns entwickelte. Physische Gefahren dominierten, und für die meisten Frauen mit einem Kind im Bauch und einem auf der Hüfte waren Flucht und Kampf keine Option. Erstarren, Freeze, hätte für den Nachwuchs den sicheren Tod bedeutet.

Warum haben Frauen und ihr Nachwuchs dennoch überlebt? Sich dem Angreifer gefällig machen, beschwichtigen, befreunden bewährt sich als erfolgreiches Angehen und brennt sich so ein als Stress-Reaktion tief in das weibliche neurologische Netz.

Übrigens: In einer extremen Ausprägung ist dieses evolutionsbiologische Priming bekannt als Stockholm Syndrom.



In unsicheren Zeiten, also: heute! wenn Gefahr weniger im physischen denn im immateriellen Format daherkommt, grade dann, wenn die Bedrohung subtil, unklar, und überall zu sein scheint ist jeder potentielle Feind einer zuviel.


People pleasing ist als Stress Reaktion neurobiologisch verankert, von einer demokratischen Verteilung dieser Eigenschaft lässt sich dennoch nicht sprechen. Denn es gibt sie, die Menschen, die damit leben können, nicht gemocht zu werden, und das oft sogar sehr gut.

Was unterscheidet sie? Es ist das Level an innerer Sicherheit: Sie wissen, sie können sich auf sich selbst verlassen, was auch passiert, sie finden Halt in sich, sind sich selbst der beste Freund und kennen sich aus mit Gefühlen, den eigenen und denen anderer. Das macht unabhängig vom Wohlwollen des Gegenüber.


Innere Sicherheit ist ein Produkt aus Courage, Selbstreflexion und Training. Und damit für jeden zu haben, was für die meisten Menschen eine deutlich zuversichtlichere Perspektive aufzeigen dürfte denn ein Opferdasein früher Prägungen.


Wenn Sie also das nächste Mal lächeln, obwohl ihnen gar nicht danach ist, denken Sie an ihre Ahninnen.


Wir stehen auf Ihren Schultern.


 
Corinna Cremer, Dozentin und Vordenkerin für Krisengesundheit.
"Krisen sind besser als ihr Ruf und Vorbereitung lohnt sich. Weil wir Ausnahmesituationen selten verhindern können, anders als ihre Folgen. Erfahrungen und Erlebnisse aus 3 Jahrzehnten in der Begleitung von Mensch und Unternehmen in Herausforderungen teile ich in der Kolumne gerührt & geschüttelt." www.corinnacremer.com


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