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In bester Gesellschaft.

  • 2. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Mai

Menschen, die nicht gerne alleine sind, sind mir unheimlich. Ein guter Instinkt, wie sich zeigt.


Corinna Cremer 2025  Ostsee
Corinna Lu Cremer Ostsee 2025

Viele Menschen fühlen sich heute einsam. Liegt es an der realen Nicht-Erreichbarkeit des Anderen zB aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen - oder ist das Empfinden nicht vielmehr subjektiv?


Sich selbst zu begegnen wenn es still wird kann durchaus unangenehm werden, sofern man mit sich selbst nicht gut befreundet ist.


Und hat der Mensch in der Moderne nicht gelernt, sich dem Angenehmen zuzuwenden, vollumfänglich wo irgend möglich?


Den Anderen zu brauchen, als reale Person oder virtuell, für Trost, Entspannung, Ansprache, Ablenkung, Anerkennung ist jedoch kein Zeichen sozialer Kompetenz oder eines Persönlichkeitsmerkmals (zB „extrovertiert“) sondern viel eher ein persönliches Defizit, und ganz klar ein Risikofaktor in Krisenlagen.


Wohlgemerkt - entscheidend ist hier das Wort „brauchen“ - nicht der Genuss, mit anderen zu sein!


Wer mit sich vertraut ist, lernt aversive Reize auszuhalten, Impulsen nicht unkontrolliert nachzugeben und die Leere neugierig zu erkunden.


Lernt, sich selbst auszuhalten.

Auch, wenn´es zwickt.


Die Dividende: ein unerschütterliches Gefühl innerer Sicherheit, das auch nach außen strahlt.



Achte auf gute Gesellschaft, auch, wenn Du alleine bist.(ungarisches Sprichwort)


Diese Fähigkeiten, insbesondere die Stärke, eigene Reaktionen auf Impulse zu steuern kann in Ausnahmesituationen, Krisen und Katastrophen lebensrettend sein.


Nämlich dann, wenn es gilt urzeitlich geprägte Stressreaktionen zugunsten situationsgerechter Entscheidungen zu überwinden.


Ob jemand gerne allein ist, ist also eher kein privater Charakterzug. Es lohnt sich, zu üben und das Abenteuer zu wagen. Für sich selbst, die Nächsten, das Team. Und für jene, mit denen sie - freiwillig oder unfreiwillig - vergesellschaftet sind zum Zeitpunkt eines möglichen unerwarteten Ereignisses.


Übrigens: Ein besonders aussagekräftiger Resilienz Test besteht darin, den Probanden in angenehmer Umgebung jedoch ohne Reize mit sich allein zu lassen.

Ohne Ablenkung, Beschäftigungen, Kontakt.

Zeit läuft….


Wer dann mit seinen Gedanken auf gutem Fuße steht und aufkommende Emotionen und Gefühle regulieren kann ist im Vorteil. Nicht nur in diesem Versuchsaufbau sondern auch im wirklichen Leben.


Versuchen Sie es mal, wie lange halten Sie es aus mit sich allein?



PS: Cave! In der aktuellen Diskussion zum Thema „Einsamkeit“ ist es wichtig, sauber zu differenzieren: Wer aufgrund körperlicher, geistiger oder erheblicher psychischer Einschränkungen isoliert ist, braucht Hilfe. Andere können in Kontakt gehen, auch wenn es mühsam sein mag.




Corinna Cremer, Dozentin und Vordenkerin für Krisengesundheit.

"Krisen sind besser als ihr Ruf und Vorbereitung lohnt sich - weil wir Ausnahmesituationen selten verhindern können, anders als ihre Folgen." Einige meiner Erlebnisse und Erfahrungen aus 30 Jahren in der Begleitung von Menschen und Organisationen in Herausforderungen teile ich in der Kolumne gerührt & geschüttelt. www.corinnacremer.com

 
 
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