Psycho - was bitte? Die häufigsten Fragen von Führungsverantwortlichen.


Sie haben vermutlich Wirtschaft studiert, Jura oder Ingenieurwesen wenn Sie diesen Artikel hier lesen. Mit Psychologie hatten Sie zu tun, als der Schulpsychologe einschritt, weil Sie mit Ihren Kumpels im Keller ein Feuerwerk gebastelt haben.



Und heute sollen Sie sich auskennen, als Bestandteil ihrer Führungsverantwortung, mit Psychological Safety, Psychologischer Erster Hilfe und überhaupt dem Gehirn - nicht nur Ihrem, sondern dem Ihrer Mitarbeitenden gleich mit. Dafür sind Sie nicht angetreten, richtig?


Keep it simple - ich will Ihnen hier die Fragen beantworten, die mir aus Führungs- und Geschäftsleitungskreisen am häufigsten gestellt werden. So kurz & knapp wie möglich, promised ;-)



1. Wir kamen doch Jahrzehnte ohne den ganzen Psychokram aus, und das sogar gut, warum sollen wir uns jetzt um das Seelenleben unserer Belegschaft kümmern, das ist doch Privatsache!

Als Geschäftsleitung wollen Sie ein wirtschaftlich stabiles Unternehmen, ungeachtet ethischer Ausrichtung und Vision. Dazu brauchen Sie nicht nur eine gesunde Mannschaft, sondern vor allem Führungsverantwortliche, die verlässlich in der Lage sind, auch unter Druck und Unsicherheit belastbar zu entscheiden. Und hier kommt das menschliche Gehirn in´s Spiel: Unter Belastung (Stress/Angst) stehen einem untrainierten Gehirn höhere Funktionen wie Entscheidungskraft, Impulskontrolle, soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz und Empathie nicht oder nur stark eingeschränkt zur Verfügung. Das fällt solange nicht auf und in´s Gewicht, wie der Protagonist auf seine Erfahrung vertrauen kann weil sich Situationen wiederholen. Mit anziehender Zentrifugalkraft jedoch- Tempo, Komplexität, Dynamik - häufen sich Entscheidungsunfähigkeit, Fehler - und vorallem Erschöpfung, Gereiztheit, Tunnelblick.

Zusätzlich können wir heute dank der bildgebenden Verfahren sehr gut erkennen, auf welche Weise mentale und psychische Stabilität messbar entwickelt werden kann.




2. Was hat es mit Psychologischer Sicherheit auf sich?

Psychological Safety ist der wichtigste Performance Indikator für erfolgreiche Teams (Studie Google, Aristoteles 2012). Voraussetzung, um ein psychologisch sicheres Team aufzubauen ist eine durchschnittliche Resilienz (innere Widerstandsfähigkeit und Flexibilität) sowie soziale Kompetenz sämtlicher Mitglieder.




3. Warum sind Resilienz und Psychological Safety/Psychologische Sicherheit Top Down Themen?

„What happens in your brain, happens in your team

darf ich mich hier unbescheiden selbst zitieren.

Als Führungsverantwortliche:r sind Sie nicht nur Role-Model sondern beeinflussen mit ihrer Haltung, ihren Emotionen und damit ihrer Resilienz das gesamte Team (sehr schön zu beobachten in entsprechend angelegten Versuchsaufbauten der Neuroforschung).




4. Was hat es mit Psychologischer Erster Hilfe/ Psychological First Aid auf sich?

Wenn sich jemand in ihrem Unternehmen körperlich verletzt oder verunfallt, ist vorgesorgt: Verbandskasten, Defibrillatoren, Betriebsarzt, Notfallnummern. Denn die gute und richtige Erstversorgung entscheidet über den Heilungsverlauf. Heute wissen wir, das gilt ebenso für seelische Verletzungen. Als da wären: Verluste, kritsiche Ereignisse, Ausnahmesituationen, beschämende oder diskriminierende Äußerungen, Dauerstress u.a.

Anders als bei körperlichen Verletzungen sind seelische Wunden nicht zu erkennen, die Folgen jedoch spürbar für den Einzelnen und sein Umfeld in Form von Burn-out, Depressionen, Angststörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen, aber auch Suchterkrankungen. Letztere spielen eine besonders wichtige Rolle im Unternehmen hinsichtlich Kosten, Produktivität, Betriebsklima.

Psychologische Erste Hilfe ist ein Schulungsprogramm für die gesamte Belegschaft.



6. Aus der Krisenintervention ist mir Psychologische Erste Hilfe bekannt - im betrieblichen Alltag jedoch sind wir aber nicht regelmäßig von Unfällen etc. betroffen.

Richtig, Psychological First Aid wurde für die Krisenintervention entwickelt ( WHO World Health Organisation) , um den Betroffenen eine schnelle und vollständige Regeneration zu ermöglichen. Hier bin auch ich ausgebildet ( CISM / ICISF Philadelphia, US) und unterstütze seit 2012 ehrenamtlich ein internationales Team.

In den letzten Jahren - der Trend wurde mit der Pandemie verstärkt, nicht jedoch verursacht - zeigen immer mehr Menschen physische und psychische Anzeichen von Extrembelastung auch nach objektiv schwächeren, teils alltäglichen Belastungen. Dieses Phänomen ist zurückzuführen auf einen hohen Grad an Grundbelastung des Einzelnen ( "Dauerstress"). Psychologische Erste Hilfe als Bestandteil professioneller Prävention (Resilienz) gehört zu den Kernkompetenzen des 21.Jahrhunderts.



6. Ich möchte meine Mannschaft unterstützen und gleichzeitig innovativer werden - zukunftssicher eben. Wo fange ich am besten an?

Jedes Unternehmen ist anders, daher gebe ich ungern pauschale Empfehlungen. Gesetzt, Sie möchten eine psychologisch sichere Unternehmenskultur entwickeln, so empfiehlt es sich, mit dem Resilienzaufbau der Führungsmannschaft zu beginnen, begleitet von Schulungen zu Psychologischer Erster Hilfe für die gesamte Belegschaft.

Auf dieser Basis, und den Erfahrungen der Teams können dann die nächsten Schritte geplant werden.




Welche Frage darf ich Ihnen beantworten? Ich freue mich auf Ihre Nachricht via bureau@corinnacremer.com


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